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Spanien greift auf Reservefonds zurück

Die Öffentlichkeit bekam von der Aktion fast nichts mit. In seiner Not hat Spanien den Reservefonds der Sozialversicherung angebrochen. Davon wurden die eigenen Staatsanleihen gekauft und dringende Zahlungen erledigt.


Spanien greift auf Reservefonds zurück

Der Fonds ist nun fast aufgebraucht. Experten rechnen, dass mindestens 90 Prozent der einst 65 Milliarden Euro nun für andere Dinge verwendet wurden.

Zudem sind die Experten bereits skeptisch, denn ihrer Aussage nach, könnte die spanische Regierung bald unfähig sein, weiter zu zahlen und zu agieren. Eine weitere Rezession könnte daher bereits drohen, die mit weiteren Sparmaßnahmen verknüpft sein wird. 

Damit wächst auch der Druck auf Ministerpräsident Mariano Rajoy, der wohl bald gezwungen sein könnte, die Europäische Union (EU) um Hilfe zu bitten. Auch die Tatsache, dass die Rücklagen, mit denen kommende Renten hätten gezahlt werden müssen, womöglich eher verbraucht sind, übt weiter Druck auf die Regierung aus.

Dolores San Martín, Präsidentin der größten Rentnervereinigung Asturiens, drückt die Gedanken vieler Menschen aus. „Wir machen uns große Sorgen darüber. Wir wissen einfach nicht, wer für die Renten derjenigen aufkommen wird, die jetzt noch jünger sind.“ 

Denn ein solcher Fonds dient in vielen Ländern in Zeiten der Euro-Krise als Reserve. Vor 2008 zweigte man Geld, das als Überschüsse aus Pflichtbeiträgen für Sozialversicherungen übrig blieb, ab, um es als Notnagel in den Reservefonds fließen zu lassen, nachdem die Rentner von heute ausgezahlt wurden. Dass eine solche Reserve bereits jetzt angebrochen wurde, weckt in vielen Skepsis und Misstrauen. 

Die Krise trieb aber viele Länder zu verzweifelten Maßnahmen. Die einen glichen dadurch verlorengegangenes Investoreninteresse aus, in Irland verstaatlichte man mit dem Geld Banken, nachdem der Immobiliensektor in die Knie ging. 

Die spanische Regierung rechtfertigt den Griff zum Geld aus dem Reservefonds mit der Erklärung, dass die Investition in die eigenen Hochrisikoanleihen nachhaltig sei.

Währenddessen glauben einige Experten eher, dass Spanien dennoch Probleme haben wird, Investoren in die Papiere zu finden. Das Geld wird jedoch dringend benötigt, um Schulden abzubezahlen. 

Rubén Segura-Cayuela, Volkswirt der Bank of America-Merrill Lynch, erklärt, weshalb Spanien es eventuell schwer haben könnte. „Wenn ausländische Investoren dem spanischen Schuldenmarkt fern bleiben, braucht man jeglichen Rückhalt von einheimischen Akteuren.“ Jedoch könnte die inländische Nachfrage zu gering sein, da die spanischen Banken ihren Bestand an Staatsanleihen seit 2008 versechsfacht haben und so bereits über ein Drittel aller ausgegebenen Spanien-Anleihen verfügen. (FR/BHB)


 
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